Die Bahn fährt in ein dunkles Jahr

Berlin. (OK) Züge, die einfach nicht kommen, obwohl angekündigt. Züge, die fahren, fahren ohne Waggons. Züge, die zu ganz anderen Zeiten fahren als angezeigt. Waggons sind da, aber kalt, dunkel und abgesperrt.

Sie denken, das ist normal oder: Schlimmer gehts nimmer? Doch gehts. Die Bahn kündigt zwar an, dass sie ihr Netz ausbaut, doch stattdessen legt sie Strecken still und schiebt nicht vorhandenen Dachsen die Schuhe in die Schuld.

Die Fernuni Rejkjavik unter der Leitung von Professor Claudia Scholz klärt jetzt die Hintergründe dieser besonders dreisten Tat von Trickbetrug auf.

Der Wagen ist dunkler als es hier im Bild scheint, was an der guten Belichtung der Kamera liegt.

Obstkurve hat 2024 den Test getestet mit der Bahn von Hamm nach Berlin und zurück. Die Hinreise klappte reibungslos. Wie am Schnürchen.

Aber dann kam die Rückfahrt im ICE mit Reservierung in Wagen 33, Sitzeplatz 31. Der Zug fuhr ein, Wagen 33 ist sogar da. Im Zug am Hauptbahnhof Berlin herrscht Chaos, weil die Leute umherirren, die keine Bahnäpp am Smartfon haben und infolgedessen nicht wissen, wo ihr Wagen, geschweige denn ihr Sitzplatz ist.

Wir gehen also frohgemut in den Wagen 33 hinein, der jedoch überraschend dunkel ist. Die Sitzplätze sind mit rotweißem Flatterband abgesperrt abgeklebt, wie man es aus dem Tatort kennt. Ist hierdrin jemand ermordet worden? Ein Serientäter?

Wir wissen es nicht. Ein halbes Dutzend Reisende bleibt in Wagen 33, während Dutzende andere Reisende sinnlos im Zug umherirren und auch nicht wissen, was sie suchen. Wir setzen uns also auf die von uns reservierten, bezahlten und zustehenden Sitze. OK, kein Licht, keine Heizung, kein Display, aber die Reservierungsanzeige funktioniert.

Ein Duisburger sagt: „Ich fahre bis Duisburg, das schaffe ich.“ Ein anderer sagt: „Ich nur bis Hamm. Habe dicke Jacke.“ Wir wollen es schaffen, wir halten durch. Wir wolles es uns gerade so richtig gemütlich machen, doch dann kommt der Schaffner, wir schätzen mal der Zugchef, ein echter Rüpel, um nicht zu sagen ein Rowdy, für seinen Beruf überqualifiziert, vielleicht auch nur überfordert.

Ohne Umschweife brüllt er: „Warum sitzen Sie hier?“  Antwort: „Warum sollen wir hier nicht sitzen?“ Schaffner: „Was glauben Sie wofür das Absperrband ist?“ Antwort: „Das wüssten wir auch gern.“

Wie man es dreht und wendet, abgesperrt.

Es verbrennt ein hitziges Wortgefecht, in dem es um die Frage dreht, warum ohne jede Ankündigung einfach ein Wagen abgedunkelt wird, die Heizung ausgeschaltet, obwohl wir doch reserviert hatten. Immerhin war ja genug Zeit, das Absperrband aus dem Tatort zu holen und im Waggon zu verkleben, bevor wir voll einstiegen. Aber in der Lautsprecherdurchsage, die wir lange nach Betreten des dunklen Waggons hörten, war keine Rede davon, dass der Wagen dunkel ist.

Schließlich flieht der Schaffner vor den aufgebrachten Bahnrevolutionären in den nächsten Wagen. Sein hilfsbereiter Kollege sagt: „Kommen Sie mit, drüben ist noch was frei.“ Das ist mal eine Ansage. Wir gehen mit. Dort ist jedoch alles voll. Kommando zurück. Und tatsächlich ergattern wir nach zähem Ringen noch Sitzplätze. Lediglich für das gerammelte Gepäck ist kein Platz mehr.

Es gelingt jedoch unter größten Anstrengungen, vom kundenfreundlichen Schaffner eine Genehmigung zu bekommen, das überzählige Gepäck in den dunklen Waggon zu schaffen, was ein mulmiges Gefühl hinterläßt. Hoffentlich fühlt sich der Koffer auch wohl so allein im dunklen Wagen. Und es drängt sich die dringende Frage auf: Dürfen Koffer im dunklen Wagen frieren, wir aber als ordentliche Reisende nicht?

Wir sind solidarisch mit allen Lokführern und Claus Weselsky, wenn die Bahn kommt.

Fazit: Bahnfahren macht Spaß.

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