Londons Musikszene lebt Geschichte

London. (OK/Fiona Mc Coss) Warum Big Ben, Tower Bridge und Piccadilly Circus? Viel spannender ist die Londoner Musikszene. Viel interessanter sind ihre Schauplätze. Die Geschichte der Londoner Musikszene reicht von Chas & Dave über die Sex Pistols bis hin zu Congo Natty und wieder zurück. In der britischen Hauptstadt traten große Bands wie The Who auf, und sie war Schauplatz von Jimi Hendrix‘ letztem Auftritt. Der Sound von London spiegelt die Geschichte und Vielfalt der Stadt wider und natürlich die Kreativität, die mit dem Leben in einer der lebendigsten Städte der Welt einhergeht. Fiona McCoss, London-Expertin und Redakteurin bei The London Pass berichtet über die wichtigsten Locations, die Sie in London besuchen können, um die Musikszene von gestern und heute zu erleben. https://www.londonpass.de/

Salter Cane was invited to play with The Blue Hearts from Brighton and Rita Lynch at the famous 100 Club in London. It was an album launch party for all of us; in our case, we were debuting our new album Sorrow. There was a good turnout and it was a fun night, which made the long trek up to London and back worth it.

100 Club, Oxford Street.

Musikalischer Stadtplan von London

In London befinden sich viele der legendärsten Musikveranstaltungsorte der Welt, auch wenn einige davon inzwischen Fortschritt und Entwicklung zum Opfer gefallen sind. Als zum Beispiel der Marquee Club für immer zumachte, ging damit auch ein Teil des Erbes von The Who, Jimi Hendrix, Chelsea und Pink Floyd verloren.

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Das Hammersmith Palais ist heute kein Ballsaal und Unterhaltungstempel mehr sondern nur noch der Titel eines Clash-Songs. Trotzdem gibt es weiterhin eine florierende Musikszene und Musikliebhaber können wählen zwischen Konzerten in kleinen Pubs, an temporären Veranstaltungsorten oder aber auch in Stadien für 80.000 Menschen.

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Ob für Headbanger, Alternative-Rocker, Mods, Punks, Indies oder allen dazwischen, London hat für jeden Geschmack das richtige Angebot. Werfen Sie einen Blick auf die Londoner Musikgeschichte:

Dominion Theatre, Tottenham Court Road
Dieses Theater wurde über der früheren Horse Shoe Brewery, dem Schauplatz der Londoner ‚Bierflut‘ von 1814, errichtet. Es wurde 1929 eröffnet und machte sich mit seinen Musikshows einen Namen. Erst am 6. Februar 1957 fand hier jedoch das erste richtige Rock’n’Roll-Konzert statt: Bill Haley and the Comets begannen hier ihre Tour durch Großbritannien und trafen auf Tausende von (untypischerweise!) kreischenden britische Fans.

The Roundhouse, Chalk Farm Road
Das denkmalgeschützte Gebäude ist eines der berühmtesten Konzertveranstaltungsorte in London. In dem früheren Lokschuppen hatten 1968 die Doors ihren einzigen Auftritt in Großbritannien und zu Beginn der Siebzigerjahre legte dann DJ Jeff Dexter regelmäßig sonntagabends auf. Er verhalf damit Musikern wie David Bowie, Black Sabbath, Elton John und den Rolling Stones zu Ruhm.

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Roundhouse.

1976 kam dann der Punk und das Roundhouse beschloss die Siebzigerjahre mit Gigs der Ramones, Patti Smith sowie The Stranglers, Blondie, Elvis Costello, The Police und vieler anderer. Das Roundhouse war danach jahrelang dem Verfall preisgegeben, ist aber mittlerweile wieder einer der besten Veranstaltungsorte der britischen Hauptstadt. http://www.roundhouse.org.uk/

The Electric Ballroom, Camden High Street
Einer der Gründe für die Bekanntheit des Electric Ballroom ist, dass hier Sid Vicious seinen allerletzten Auftritt in Großbritannien hatte. Er wollte mit seiner Freundin Nancy nach New York ziehen und ermöglichte dies mit dem Gewinn aus diesem Gig. 1979 traten Joy Division hier gleich zweimal auf – ungefähr zur gleichen Zeit wie U2 und Adam and the Ants. 2007 gab hier außerdem der Ex-Beatle Paul McCartney ein Überraschungskonzert für ein exklusives Publikum. http://electricballroom.co.uk/

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Electric Ballroom.

Dublin Castle, 94 Parkway Camden
Amy Winehouse lebte in Camden und war Stammgast des beliebten Pubs. Für die Indie-Musikszene ist es eine Institution (z.B. die Frauenband Kenickie) und die Karriere der britischen Ska-Band Madness nahm hier ihren Anfang. http://thedublincastle.com/

100 Club, 100 Oxford Street
Dieser Club hat viele Veränderungen miterlebt, aber seit seiner Gründung 1941 ging es hier immer um Musik. Seine Wurzeln liegen im Jazz und auch heute finden hier noch Jazzkonzerte statt. In den Sechzigerjahren kam die Rockmusik dazu. Zu Ruhm kann der Club dank der legendären Rockkonzerte mit Bands wie The Kinks und The Animals. Ende der Siebzigerjahre erhielt der Punk Einzug mit Gigs der Sex Pistols und Siouxie, in den Achtzigerjahren machten die Rolling Stones hier manchmal mit Gigs im kleineren Rahmen eine Pause von ihren gigantischen Stadionkonzerten.

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100 Club, Sommer 1982.

2010 wurde die Existenz des Clubs durch eine Mietsteigerung bedroht, dank einer Spendenkampagne konnte er aber bis heute geöffnet bleiben. http://www.the100club.co.uk/

Eventim Apollo, Queen Caroline Street
Wenn man in der Blütezeit des Rock einige wirklich gute Konzerte besuchen wollte, pilgerte man zu diesem denkmalgeschützten Gebäude in Hammersmith. Sein ursprünglicher Name war Hammersmith Apollo, 1962 wurde es dann in Hammersmith Odeon umbenannt. Aufgrund eines Sponsorenvertrags heißt es heute Eventim Apollo. http://www.eventimapollo.com/

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Apollo.

1964 war es Schauplatz der zweiten Christmas Show der Beatles – sie lief 3 Wochen und es wurden 100.000 Tickets verkauft. Die Show bestand aus Musik, Sketchen und Gastauftritten anderer Künstler und war damit eines jener typisch britischen Weihnachtsvergnügen.

Der oft liebevoll Hammy-O genannte Veranstaltungsort war ausschließlich für Livemusik bestimmt. So wurden hier auch die Livealben Alchemy von den Dire Straits und das treffend benannte No Sleep to Hammersmith von Motorhead aufgenommen.

Royal Albert Hall, Kensington Gore
Das historische Gebäude stammt aus dem 19. Jahrhundert und ist nach Albert, dem Prinzgemahl von Königin Viktoria benannt. Seit den Sechzigerjahren wurde die Konzerthallte auch regelmäßig für Pop- und Rockkonzerte genutzt: Die Band Cream gab hier ihr Abschiedskonzert und Bob Dylan empörte einige seiner Fans, weil er auf einer Elektrogitarre spielte – ein Horrorgedanke für jeden Folkmusikpuristen! Die Beatles, die Rolling Stones und die Beach Boys sind nur einige der legendären Namen, die sich in diesem prachtvollen Londoner Konzertsaal die Ehre gaben.

Ronnie Scott’s, Frith Street
Ronnie Scott’s Club in Soho ist zwar vorrangig ein Jazzclub, aber auch die Rockmusik kommt hier zu ihrem Recht. 1969 stellten The Who hier in ohrenbetäubender Lautstärke ihr Album Tommy der Presse vor. Und Jimi Hendrix gab hier im September 1970 das letzte Konzert vor seinem frühen Tod. http://www.ronniescotts.co.uk/

Up on a Roof, 3 Savile Row
Die Savile Row ist zwar vor allem wegen ihrer georgianischen Stadthäuser und vornehmen Herrenschneider bekannt, doch die Nr. 3 war auch der Sitz des Beatle-Unternehmens Apple Corps Ltd. Am 30. Januar 1969 fand auf dem Dach der letzte Auftritt der Gruppe statt – einer der größten Momente in der Geschichte der Popkultur.

Die Beatles stiegen aufs Dach des Hauptsitzes ihres Unternehmens und spielten fünf Songs. Die Nachbarn waren von dem Überraschungskonzert nicht gerade angetan und holten die Polizei. Als diese kam, blieben die Polizisten stehen, um sich die Show anzusehen. Nach 42 Minuten wurde der Auftritt beendet, aber die Aufnahmen des legendären Rooftop Concert leben weiter. Heute beherbergt das Gebäude eine Filiale von Abercrombie Kids.

Roxy London
Für Punk ganz wichtig war der Roxy Club, 41-43 Neal Street, Covent Garden. Hier spielten 1976-1977 fast alle Punkbands. Nach nur 100 Tagen wurde der Club geschlossen. Weitere Veranstaltungsorte (alphabetisch): Dingwalls, Hope and Anchor (Islington), Lyceum (Strand WC 2), Music Machine (Camden), Nashville (Cromwell Road/North End Row), Notre Dame Hall (Leicester Place near Leicester Square), Rainbow Theatre, Sir George Robey Pub (Finsbury Park). Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

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Roxy London 1977.

Londoner Wahrzeichen auf Covers und Videos

Abbey Road
Die meisten Alben der Beatles wurden in den EMI-Studios in St John’s Wood in Nord-London aufgenommen. Ihr letztes Studioalbum benannten sie daher nach der Straße, in der sich die Studios befanden: Abbey Road. Das Foto auf dem Cover wurde auf dem Zebrastreifen direkt bei den Studios aufgenommen. Seit dem Erscheinen des Albums sind Millionen zu St John’s Wood gepilgert, um das berühmte Foto nachzustellen – ohne Rücksicht auf den Verkehr und die eigene Sicherheit. Nach Schätzung der Abbey Road Studios kommen jedes Jahr 300.000 Menschen hierher und machen die Abbey Road damit zu einer der 20 meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Londons.

Ziggy Stardust
Ein ebenfalls häufig nachgestelltes Cover ist das von David Bowies Album Ziggy Stardust, das vor der Heddon Street Nr. 23, in der Nähe der Regent Street, aufgenommen wurde. Hier stellen sich die Besucher noch heute neben die Telefonzelle, bei der David Bowie damals stand.

The Clash
Das Foto auf dem Cover des gleichnamigen Albums von The Clash wurde auf den Stufen vor dem Stables Market in Camden Town aufgenommen. Dort befand sich der Probenraum der Band.
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Animals
Das Cover des Pink Floyd Albums Animals zeigt die Battersea Power Station, an deren deutlich erkennbaren Kaminen ein großes aufblasbares Schwein angebunden ist. Während der Fotoaufnahmen riss die Befestigung und das Schwein schwebte himmelwärts. Dort sorgte es für einige Verwirrung bei Piloten auf dem Flug von oder nach Heathrow.

Subterranean Homesick Blues
Bob Dylan nahm das Video für diesen Song hinter dem Savoy Hotel auf, wo er während seiner Tour 1965 abgestiegen war.

Two Virgins
Das Haus Montagu Square 34 in Marylebone hat eine aufregende Rockgeschichte. Ringo Starr zog hier 1965 nach seiner Hochzeit mit Maureen ein. Später nahm Paul McCartney hier Demotapes von Eleanor Rigby mit einem mobilen Aufnahmestudio auf. Jimi Hendrix wohnte hier mit seiner Freundin Kathy Etchingham und seinem Manager Chas Chandler. Dann kamen John Lennon und Yoko Ono – hier wurde das berühmte Nacktfoto auf dem Cover ihres Albums Two Virgins aufgenommen.

London in Songs

London hat Hunderte von Künstlern zu Songs über ihre Heimatstadt inspiriert. Alle Teile Londons und alle Geschichten über das Leben in London, von Schwelgereien über Krawalle bis hin zu zwielichtigen Absteigen, fanden über die Musik ihren Weg zu den Massen. Hier einige der schönsten Beispiele:

Waterloo Sunset – The Kinks (Pye Records)
Zu diesem Song wurde Ray Davies inspiriert, als er über die Waterloo Bridge ging und Millionen von Menschen um die Waterloo Underground Station wimmeln sah („Millions of people swarming like flies ‘round Waterloo Underground”) – ein tägliches Schauspiel, das zu einem der vielleicht atmosphärisch dichtesten Songs über London führt.
https://www.youtube.com/watch?v=N_MqfF0WBsU

London Calling – The Clash (Epic Records)
Dieser Titel bezog seine Inspiration aus der Senderkennung des BBC World Service während des Zweiten Weltkriegs.
https://www.youtube.com/watch?v=EfK-WX2pa8c

Electric Avenue – Eddy Grant (Parlophone Records)
Dieser Song ist nach dem Straßenmarkt in Brixton benannt und wurde inspiriert durch die Unruhen in dieser Gegend im Jahr 1981. Eine unvergessliche Liedzeile: „Now in the street, there is violence, and-and a lots of work to be done”.
https://www.youtube.com/watch?v=dKJLbv5khLg

Baker Street – Gerry Rafftery (United Artists)
Diese Straße ist wahrscheinlich eher wegen Sherlock Homes berühmt, doch Gerry Rafferty schrieb diese Hommage an die Straße, als er hier eine Wohnung in der Nähe hatte, während der rechtlichen Auseinandersetzungen um die Trennung seiner Band Stealer’s Wheel.
Eindrucksvolle Liedzeile: „Winding your way down on Baker Street, Light in your head and dead on your feet”.

Sunny Goodge Street – Donovan (Pye Records)
Dieser Song wurde 1965 geschrieben und war einer der ersten der Londoner Songs, in dem offen von Drogenkonsum die Rede war.
Denkwürdige Liedzeile: „Violent hash smoker shook a chocolate machine, Involved in an eating scene“.

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