Bochum. (OK) Nur zwei Spiele mit Unterbrechung, aber jetzt ist er wieder zurück, der Nimmbus der Unbesiegbarkeit. Die Zuckertruppe um Uwe Kurze Hose hat wieder eiskalt zugeschlagen und Braun mit 4:1 zum Schweigen gebracht.
Dabei mussten wir nicht einmal den Bus nehmen, um zum schönsten Ruhrstadion der Welt an der Castroper Straße zu gelangen. Stattdessen herrschte nur das sonntägliche Alltagschaos bei den Bahnen.
Ein Bielefelder, 80 Jahre alt, war schon um 9 Uhr in Bielefeld losgefahren, um ins Ruhrstadion zu kommen. Wir trafen ihn um 12 Uhr in Kamen. Ein Zug mit Lok blockierte die Strecke. Etwas war kaputt. In Kamen am Bahnhof nacktes Chaos mit angezogenen Menschen. Wie in Deutschland üblich, stehen fast alle Fahrgäste in der Mitte des Bahnsteigs, was immer dazu führt, dass das Ein- und Aussteigen etwa eine halbe Stunde dauert.

Obwohl die Bahnen Chaos hatten, war das Stadion mal wieder ausverkauft.
Wir auf Gleis 1 zum Zug nach Bochum, der nur 10 Minuten Verspätung haben soll, um 11.29 Uhr. Auf dem Bahnsteig gegenüber steht ein Zug nach Düsseldorf. Der Sprecher der Bahn, Mehdorn, sagt durch: Der Zug auf Gleis 4 nach Düsseldorf fährt nicht nach Düsseldorf über Bochum, aber auf Gleis 1 fährt gleich ein Zug nach Düsseldorf. Der Zug auf Gleis 4 fährt nur nach Dortmund. Wir warten so. Unser Zug nach Düsseldorf auf Gleis 1 summiert sich, aber er kommt nicht. Die Freundin steht noch in Hamm, als der Zug nach Düsseldorf eigentlich schon da ist.
Plötzlich rollt gegenüber ein Zug ein, der auch nach Bochum fährt, Richtung Düsseldorf. Keine Durchsage kommt. Der Zug auf Gleis 1 kommt nicht. Das Display des Zugs gegenüber wird schwarz, keiner weiß, wo er hinfährt. Die Hälfte der Fahrgäste auf Gleis 1 denkt, super, wir nehmen den Zug nach nirgendwo, besser als kein Zug oder drei Stunden in Kamen stehen. Wir auch hinterher. Wir haben den doppelten Weg, weil wir nicht mitten am Bahnsteig stehen geblieben sind, sondern zum Anfang des Zuges auf Gleis 1 nach Düsseldorf über Bochum.
Wir steigen in den anderen Zug ein, der unbeschriftet ist. Keiner weiß, wo er hinfährt, ob er wo hinfährt. Keine Durchsage erzählt, wo der Zug hinfährt, wenn er hinfährt.
Es fährt ein unbeschrifteter Zug
Dann plötzlich fährt der Zug los, sogar in Richtung Bochum. Jubel bricht aus. Der Zug hält in Dortmund. Dort steht gegenüber noch ein Zug Richtung Düsseldorf. RE 4. Einer guckt. Der Zug ist beschriftet, aber keiner sitzt drin. Unser Zug ist unbeschriftet. Alle sitzen drin. Also fährt er los nach Bochum, wo wir ankommen. Der Zug hatte nur drei Stunden Verspätung. Glück gehabt. Sonst hätten wir ihn nicht gekriegt.
Aber eigentlich wollten wir nämlich vorher von Königsborn mit der S-Bahn nach Bochum fahren, was aber dann nicht ging, weil die S 4 zuviel Verspätung hatte. Da hätten wir die Anschluss-S1 nach Bochum in Dorstfeld nicht gekriegt. Nur deshalb hat der VfL 4:1 gewonnen. Zum Zeitpunkt 11 Uhr war die Regionalexpressroute nämlich noch blockiert, hieß es in Durchsagen und auf Äpps. Keiner weiß, ob es stimmt.
Fazit: Wenn Francis Onyeka spielt, gewinnen wir und kommen ins Stadion, mit unbeschrifteten Geisterzügen. Der VfL ist Geistermeister. Wenn die Fahrgäste einfach in einen ausrangierten Zug einsteigen, dann fährt er auch los nach Bochum, egal was passiert. Und wenn es Fiege-Dosenpils gibt, kann nichts mehr schiefgehen.
Ausblick
Und nächste Saison gibt es wieder das einzig echte Ruhrderby: VfL gegen RWE – die einzigen Fans, die es mal geschafft haben, den Zaun aus der Gästeseite einzureißen und den Rasen zu stürmen. Wir freuen uns auf RWE. Dann herrschen wieder Stimmung und Atmosphäre in der Gästekurve und in der Obstkurve auch.
Blick zurück
Braunschweiger sind Hochrisikofäns. Das erste Mal blockierte die Polizei vor dem Spiel den Zugang zur Obstkurve von der Castroper zur Obstkurve, was sonst immer erst nach dem Spiel der Fall ist, wenn es gegen Schalke 04, Hertha BSC oder Dynamo Dresden geht. Die Braunschweiger gelten als noch risikoreicher.

























