Notdurft macht erfinderisch

Ostfriesland. (OK) Das Toilettenwesen ist das Wesen, das die Menschheit am meisten interessiert. Dagegen landen selbst Spahndemie, der VfL Bochum und Punk Rock abgeschlagen im Mittelfeld, gefolgt von Mietenwahnsinn und Zinsraubzug der EZB.

Obstkurve berichtete mehrfach. Toilettenbürsten neben Pissoirs, skurille Hinweisschilder und gesundheitsgefährdende Maßnahmen wie das Sitzepinkeln. Innovationen und Probleme rund um die menschlichen Bedürfnisse.

Für die Redaktion der aktuelle Anlass, der Toilettengeschichte noch tiefer auf den Grund zu gehen. Die Recherche begann mit einer Enthüllung: Einen angemessenen Stellenwert räumt dem Toilettenwesen das ostfriesische Torfmuseum ein. Die Frage, wo es hier zum Klo geht, beschäftigt die Ostfriesen als die natürlichen Verbündeten von Obstkurve. Das Museum ist eine wahre Fundgrube für die Sozialgeschichte des Klos.

Toilettenhäusen mit separaten Plumpszellen fügt sich einwandfrei in die Landschaft ein.

Im Torfmuseum erfährt der Notdürftige, dass Menschen am Tag durchschnittlich 4,5 mal müssen und etwa 16 Minuten auf dem Klo verbringen. Frauen müssen öfter als Männer. Sie gehen im Durchschnitt 5,7 mal täglich auf Klo und bleiben 18 Minuten.

Das bedeutet: Hochgerechnet auf die Lebenserwartung verbringen Frauen über ein Jahr, nämlich 376 Tage, auf der Toilette. Männer gehen im Schnitt nur 3,4 mal und erleben rund eine Viertelstunde kostbare Zeit auf dem Klo. Insgesamt gesehen nehmen sie sich mehr Zeit fürs Geschäft, nämlich etwa 5 Minuten, während die Frauen nur rund drei Minuten sitzen.

Über die Gründe konnte die Fernuni Rejkjavik unter der Leitung von Professor Claudia Scholz für Obstkurve nur fundierte Vermutungen anstellen: „Weil die Männer auf dem Pissoir nur kurz verweilen, wenn sie daheim eins haben, nehmen wir an, dass sie beim Toilettengang mehr lesen als Frauen, etwa beim großen Geschäft.“ Möglich sei aber auch, das Männer beim Sitzepinkeln lesen.

„Das“, so die Wissenschaftlerin, „ist schwer gesundheitsgefährdend“. (Obstkurve berichtete) Speziell für Prostatiker ist das Sitzepinkeln potenziell lebensbedrohlich. „Es läuft nicht richtig“, weiß sie. Ihr Institut hat herausgefunden, dass Prostatakrebs mit Todesfolge in vielen Fällen erst durch das im Sitzen pinkeln verursacht wird. Sie vermutet ernsthafte Langzeitfolgen für unsere Gesellschaft durch Sitzeklos. „Das ist das Leidwesen“, sagt sie.

Sitzeklos sind eine Gefahr für Männer, die im Sitzen pinkeln.

Wie die Auswertung weiter ergab, verbringen Männer nur 291 Tage auf dem Klo. Das sind über 80 Tage weniger als Frauen. Das bedeutet: Männer gehen weniger aufs Klo, lesen in der kürzeren Zeit dabei aber viel mehr. Professor Scholz vermutet deshalb, dass Männer einen höheren Bildungsstand haben.

Bezogen auf die Gesamtuntersuchungsgruppe lesen 29 Prozent Zeitung (mehrheitlich Jüngere und vermutlich überwiegend Männer). Sechs Prozent lesen ihre Post, fünf Prozent telefonieren, zwei Prozent lösen Kreuzworträtsel und 63 Prozent konzentrieren sich auf ihre wichtigsten Bedürfnisse, damit nichts schief geht.

Unterschiedlich wird das Popoabputzen gehandhabt. Der Verbrauch an Klopapier schwankt zwischen vier bis zehn Blätter. Jedoch ist das Thema nicht nur von aktueller, sondern auch von historischer, ja geradezu weltgeschichtlicher Bedeutung.

Das Geheimnnis der Aborte

Für Wissenschaftler, sogar für Archäologen, stellen Fäkalgruben und Abwasserkanäle hoch geschäftze Fundgruben dar. Dort erschließen sie den mittelalterlichen Alltag und gewinnen wertvolle Erkenntnissse über die Geschichte der Menschheit.

Denn die Leute waren auch früher schon Umweltsäue. Sie warfen ihren gesamten Müll, Speisereste und Restabfälle ins Klo. Archälogen finden heute neben fossilem Kot vor allem Scherben, Gefäße, Flaschen, Lampen, Kacheln, Nachttöpfe, Kleidung, Fell, Knochen etc.

Mit detektivischem Spürsinn entlocken die Forscher dem Müll wichtige Informationen. Sie lesen die Essgewohnheiten der Menschen heraus. Mit Hilfe von Scherben werden ganze Services rekonstruiert und als Antiquitäten bei Ebay verhökert. Man sieht, was gegessen wurde und wie gut die Ernte ausgefallen war. Not machte erfinderisch. Das gilt erst recht für Notdurft.

Speziell in Ostfriesland wurde das Torfstreu-Klosett verwendet, ein Vorläufer des Katzenklos. Das „Torfmull-Streuklosett“ Triumph bescherte dem Nutzer die größten Siege über Urin und Fäkalien, denn Torf vereint alle Vorzüge eines Klos ohne Wasserspülung.

Das hysterische Torfstreu-Klosett von Anno dazumal.

Torfstreu saugt nicht nur die Feuchtigkeit restlos in sich auf, sondern desinfiziert Exkremente. Sie werden gebunden, in eine feste dunkle Masse verwandelt und absolut geruchlos. Mit Torfmull überschüttete Fäkalien bieten in hygienischer Hinsicht den weitgehendsten Schutz gegen Ansteckungsgefahr und sind extrem leicht fortzuschaffen. Damit ist das Torfklo dem herkömmlichen WC weit überlegen.

Der Ostfriese geht auch heute noch mal ebens ins Moor, weshalb die Coronazahlen dort weitaus niedriger sind als im übrigen Bundesgebiet und insbesondere viel niedriger als in Bayern, Sachsen und Thüringen.

Die mit Torfmull bearbeiteten Fäkalien sind als kompakte Masse sehr stickstoffreich und eignen sich deshalb als wertvoller Dünger für Garten- und Ackerbau, aber auch Viehzucht.

Das automatische Torfmullklo

Es funktioniert so: Das automatische Torfmullklo „Triumph“ mit hoher Rückwand als Streubehälter (Bild) enthält ein bewegliches Streumagazin. Das wirft ein genau bemessenes Quantum Torfmull über die Exkremente. die werden restlos eingehüllt, getrocknet, geruchlos gemacht und verarbeitet. In der Folge entwickelt sich sogar ein leichter Durft, der die Verwendung von Duftspray oder anderen Klimaschändern unnötig macht.

Die Streuung erfolgt automatisch durch die Sitzbewegung und unabhängig vom Schließen des Deckels. Beim Aufstehen streut das Magazin die Fäkalien mit Torfmull. Die Kontrolle des Automaten ist genau so bequem wie das Sitzen auf dem gepolsterten Klositz.

Öffnet der Notdürftige die Tür des Klosett-Aufsatzes, sieht er den freiliegenden Torfstreubehälter, dessen Material einwandfreies V2 a -Stahlblech aus dem Ruhrgebiet ist. Im Behälter befindet sich eine Glasscheibe. Sie ist durchsichtig und ermöglicht so per Inaugenscheinnahme das Erkennen der Notwendigkeit des Nachfüllens von Streumaterial. Bei Nebel kann die Glasscheibe auch geöffnet werden.

Klopapier putzt Popo ab

Erforscht wurde auch die Geschichte des Klopapiers. Eingeführt wurde es Ende des 19. Jahrhunderts. Danach trat es einen unaufhaltsamen Siegeszug an, sorgte aber auch für Umweltverschmutzung. Ursprünglich benutzten Menschen Blätter zum Popoabputzen. Griechen verwendeten Ton, Steine, Scherben, lange vor Rio Reiser.

Römer banden einen Schwamm an einen Stock und tränkten diesen in einen Eimer Salzwasser. Dabei kam es zu erheblichen Verletzungen. Chinesen benutzten bereits im 6. Jahrhundert Papier. Die Orientalen nahmen Wasser, Germanen Stroh und Laub.

Im Mittelalter verwendeten Europäer auch Moos. Wer genug Geld hatte, verwendete eingeweichte Stofflappen oder Schafswolle. Bis in die 1970er Jahre benutzte Europäer Zeitungspapier, was vor allem in London angesichts des geringen Durchmessers der Abflussrohre immer wieder für Verstopfungen sorgte.

Und das, obwohl die Briten 1890 als erste einen Vorläufer des heutigen Klopapiers entwickelt hatten. Es waren einzelne Blätter, die ordentlich in Pappschachteln verpackt griffbereit auf den Außenklos herumlagen. Aber die Briten wollten auf dem Klo lieber den Sportteil lesen als vergilbtes Klopapier anzugucken. So landete der Sunday Express im Abfluss.

Das Wasserklo setzte sich spät durch

Das WC wurde wie Fußball von einem Briten erfunden: Sir John Hampton. Aber er wurde nicht ernst genommen Sein Spülklo war eine Mischung zwischen Plumpsklo und modernem WC. Die Spülung spülte den Inhalt des Beckens mit der Sogwirkung einer schnell öffnenden Kloschüssel in eine Jauchegrube. Dieses Klo hatte alle Merkmale einer modernen Toilettenspülung, abgesehen von der fehlenden Kanalisation. Ergebnis: Es stank bestialisch. Das WC setzte sich nicht durch, weil es zu teuer war, denn auch die Straßen Londons stanken, weil die Menschen die Exkremente aus dem Fenster auf die Straße warfen.

Auch der Hochadel wusste das WC noch nicht zu schätzen. Könige und Königinnen kackten lieber weiter in Leibstühle und Nachttöpfe, die das Gesinde draußen entleeren musste.

Später trat das Sitzeklo seinen Siegeszug an, mit desaströsen Konsequenzen für Männer (Obstkurve berichtete mehrfach).

Zuvor waren die Menschen viel freizügiger als heute. „Wir gehen im winter zwischen die Kühe und im Sommer auf den Misthaufen“, war eine allgemeine Weisheit. Menschen auf dem Land gingen in den Stall, setzten sich auf den Misthaufen oder benutzten das Plümpsklo neben dem Haus. Im Sommer waren die Misthaufen draußen beliebte Anlauforte. Man traf sich, tauschte Neuigkeiten aus und erleichterte sich dabei.

Das taten Frauen, Männer und Kinder öffentlich. Jeder konnte vorbeikommen und zugucken, oder ein Pläuschchen halten. Auch auf dem Plumpsklo konnten sie gemeinsam sitzen. Nur war hier die Teilnehmerzahl begrenzt. Dreierplumpslos waren beliebte Ausflugsziele für Frauen und Männer. Ein Vorläufer von Datingportalen. Nach Geschlechtern getrennte Toiletten waren historisch unbekannt. Mit der Geschlechtertrennung und Sitzeklos entstand die Diskriminierung des Mannes, die heute ungeheure Ausmaße annimmt.

Einsitzer Plumpsklo mit Zeitungspapier.

 

 

 

 

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