Bochum. (OK) Ein Hauch von Klassenkampf und Poesie umhüllte das ausverkaufte Ruhrstadion, das jetzt unbeschriftet ist.
Der Sponsor des Stadionnamens, der Mietimmobilienraubfischkonzern Vonovia, hat gekündigt. Der VfL demontierte sofort das V-Wort und logischerweise auch den echten Namen „Ruhrstadion“. Erst wenn die Ruhr dafür bezahlt, kommt er wieder dran. Auf den Trikots dagegen bleibt der Schriftzug erhalten. Vonovia, nicht Ruhrstadion.
Gelungen war dieses Mal die Idee der Poesieabteilung beim VfL: „Neue Saison – Alte Dame“ titelten die Ankündigungsplaketten in der Bochumer Innenstadt. Mit dem besseren Ende für die alte Dame, die gar nicht einen so alten Eindruck machte.

.… aber ganz schön flott.
Die Atmosphäre war schiedlich, das Spiel aber nicht friedlich. Die Ultras aller drei Fanlager hatten sich vor dem Spiel darauf geeinigt, dass beim Spiel alle blau sein würden. Bochumer, Herthaner und Biertrinker. Das hat tadellos geklappt.
Die Bochumer Fans dichteten auch: „Zwischen Förderturm und Flutlichtmast schlägt das Herz der Malocherstadt“. Die Nostalgiewelle erwies sich als nicht so erfolgreich. Kein Wunder angesichts der Pleitenwelle in Bochum ohne Opel und Nokia und überhaupt. Treffender da schon die Pyrolyse der Herthaner: „Das Relikt des Arbeitercklubs: Wir malochen, ihr kassiert.“ Geblieben ist das Bier. Immerhin.

Alte Dame besucht ehemalige Malocherstadt.
Ob hier oder da noch einer malocht, konnte nicht beantwortet werden, aber die Spieler kassieren die Millionen, die wir ihnen schenken. Die Berliner haben mehr Millionen, deshalb gewannen sie auch das Spiel. Denn Geld schießt eben doch Tore. Ergebnis: 0:1 für Hertha BSC. Die wohnen auch Ostkurve, haben aber andere Immobilienkonzerne, die auch nicht enteignet werden.
Die Bochumer spielten so wie lange pensionierte Bergbau- und Stahlinvaliden. Während der Berliner Linksverteidiger mit der Nr. 42, Spitzname „Würger vom Wedding“, ein ums andere Mal den bedauerlichen Koji Miyoshi in den Würgegriff nahm. Der Schiri gab jedoch selbst dann Freistoß für die alte Dame, wenn zwei Berliner Myoshi misshandelten, geradezu malträtierten. Der Schiri hatte Mitleid, weil er dachte, die Berliner hätten eine Alte Damen- Frauenmannschaft geschickt. Das war aber nur Tarnung. Dabei ist Myoshi Leichtgewicht, während der einsatzfreudige Berliner Schwergewicht verkörpert.
Neu dagegen die gelungenen T-Shirts in der Obstkurve: „Westkurve – H 1 – VfL“. Dort wohnt die wahre Obstkurve. Fortsetzung bald mit der Frage: Steigen die Mieten für die Stadionwohnungen von Vonovia?

























