Stensele: Tisch hakt an der Bar im Stehen

Kamen-Kariert. (OK) Das Arbeiten im Sitzen ist im Kern ungesund. Es fördert Bandscheibenvorfälle, Mumps und Masern. Deshalb verordnet der Logopäde einen Bartisch.

Am Stehtisch kann man im Stehen arbeiten. Wo gibt es Bartische? Bei Ikea. Vor dem Besuch der schönen Filiale auf der ehemals grünen Wiese empfiehlt Gurgelhupf die Onlinerecherche.

Die erste Suche gilt dem Stehtisch. Viele Treffer. Ikea taucht erst nach Eingabe der Kombination von Stehtisch und Ikea auf. Die Treffer bei der Suche nach Stehtisch und Ikea führen zur Rubrik „Cafehaustische.“

Sitzetisch mit Kleiderhaken.

Das Sortiment ist da. Ikea rät: „Unsere Stehtische und Cafétische sind perfekt für die Feier, als kleiner Sitzplatz in deiner Küche oder im Innenhof. Selbst für dein eigenes Café oder Restaurant sind sie geeignet. Denn sie sind nicht nur äußerst langlebig, sondern verfügen auch über clevere Extras wie Haken für Jacken und Taschen.“

Der Kunde gerät erstmals ins überflüssige Grübeln. Die zentralsten Fragen lauten: Warum sind Tische Sitzplätze, und warum haben Tische Haken für Jacken und Taschen? Es scheint, als hätte der schwedische Möbelgigant eine echte Innovation erfunden. Was fängt der Kunde mit dieser Erläuterung an? Er fängt einen Hering.

Letztlich geht es um die Auswahl eines Produkts. Der „Stensele-Bartisch“  sieht gut aus, wird angeboten und kann vielleicht gekauft werden. Ja. Er soll es sein. Klick. Ikea bietet noch mehr Infos: Er ist anthrazit, hat 70 cm, ist lieferbar und wird nicht bei Ikea Ulm verkauft. Das stört nicht weiter. Ikea Dortmund oder Kamen sind ok. Aber warum wird Ulm angeboten? Danach hatten wir gar nicht gesucht.

Liefern, wo du dich gerade aufhältst

Alle Achtung: Warenverfügbarkeit, Sortiment und Preise können in den Einrichtungshäusern variieren. Aha. „Für Lieferdetails packe ihn in den Warenkorb“, sagt Ikea. Und: „Prüfe nach, ob der Artikel in einem anderen IKEA Einrichtungshaus verfügbar ist.“ Das ist auch ok. Ulm wäre auch 800 km zu weit weg.

Ikea so: „Dies kann dorthin geliefert werden, wo du dich gerade aufhältst. Wenn du es in deinen Warenkorb legst, bekommst du alle Lieferdetails von uns.“ Aha. Also lassen wir den Bartisch dahin liefern, wo wir uns gerade aufhalten. Warum nicht in der Ikea-Filale in Kamen?
Da gibt es auch leckeren Fisch, Kotböller, Hottdoks und Hafermilch.
Ikea sagt: „Wird nicht bei Ikea Kamen verkauft. IKEA Kamen hat diesen Artikel nicht vorrätig. Aber du kannst ihn im Einrichtungshaus vorbestellen und ihn dir liefern lassen.“ Und wenn ich da bin, kann ich ihm mir dahin liefern lassen. Also fahre ich hin, weil Ikea Dortmund hat ihn auch nicht vorrätig. Ulm nicht, Kamen nicht, Dortmund nicht, überhaupt kein Ikea hat ihn, aber er ist neu und wird angeboten.

Liefern oder nicht liefern?

Ankunft bei Ikea Kamen an einem Schlado. Parkplatz gesucht und schnell gefunden. Rein zu Ikea. Wo bestellen? Nicht beim Kundenservice, denn da gibt es Umtausch, Reklamation und Ersatzteile. Eine Ikea-Fachverkäuferin taucht auf. Frage: „Wo kann ich den Stensele Bartisch bestellen?“ Sie: „Haben wir den im Angebot?“ Wir: „Nein. Wir möchten den bestellen, wie im Internet angeboten, hierhin am besten.“ Sie so: „Nein. Das geht glaube ich nicht. Fragen sie am besten am Infostand im Warenlager dahinten. Die müssten das wissen. Die können das sagen.“
Nichts wie hin. Die gleiche Frage neu gestellt. Sie: „Das geht nicht. Weil wir den nicht vorrätig haben.“ Wir: „Wird aber im Internet angeboten.“ Sie: „Den können sie nur nach Hause bestellen. Am besten fragen sie vorn beim Kundenservice nach. Die können sagen, ob das geht, den Tisch hier zu bestellen und hier abzuholen.“

Sitzetisch.

Zurück zum Kundenservice am Eingang. Eine Nummer ziehen. Es gibt zwei Abteilungen dort: Eine für Reklamationen und Umtausch, eine für Ersatzteile. Eine „Bestellung“ ist nicht aufgeführt. Die Wahl fällt auf eine Nummer für Ersatzteile. Gezogen. Da ist die Wartezeit eine Minute kürzer. 10 Minuten Warten. Dann erneut die Frage: „Wir möchten den Stensele-Bartisch hier hinbestellen und ihn dann hier abholen.“ Sie: „Das geht hier nicht, weil wir den nicht vorrätig haben. Den können Sie nach Hause bestellen.“ Antwort: „Im Internet steht aber, den kann man dahin bestellen, wo man gerade ist. Ich bin gerade hier, also möchte ich ihn hier hin bestellen. Dann spare ich auch die Lieferkosten nach Hause.“ Sie: „Das können sie oben in der Abteilung klären. Die sind für sowas zuständig. Da können Sie in jede Abteilung gehen.“
Gehe in die Küchenabteilung. Stelle die gleiche Frage: „Ich möchte den Stensele-Bartisch hier hin bestellen.“ Sie: „Warum bestellen sie den nicht in der Abteilung, die zuständig ist?“ Nach einigem hin und her erklärt sie sich dazu bereit, den Stensele-Bartisch zu bestellen. Sie tut es.
Dann wird der Tisch unten bezahlt. Und ab nach Hause. Aber vorher noch ein paar Matjes aus Schweden im Glas gekauft, denn die sind sehr lecker eingelegt. Daheim wird sich gewundert, warum der Tisch, 20 Euro günstiger ist als der Stensele-Bartisch. Weil die Fachverkäuferin den Cafehaustisch zum Sitzen anstelle des Bartisches zum Stehen bestellt hat.
Storno. Dazu bei Ikea anrufen. Die tolle Warteschleife ohne größere Gesundheitsschäden überstanden. Es stellt sich heraus, dass man nicht einfach ein anderes Gestell für die vorhandene Bestellung auswählen kann, sondern die ganze Bestellung storniert werden muss. Die Callcenter Frau storniert. Glückwunsch. Den Bartisch bestellen wir dann online nach Hause. Kostet extra für die Lieferung nach Hause. Dafür hätten wir nicht zu Ikea gemusst. Dann hätten wir aber auch nicht den leckeren Matjes und das andere überflüssige Zeugs gekauft.
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