Auf der Suche nach dem eiligen Aal: Ritter

(OK) Sie wurden besungen, sie wurden bedichtet und sie wurden bezwungen: Ritter. Es gab wohl schon viele Geschichten, Legenden und Lieder über edle Rittersleut. Angefangen von Rittern ohne Furcht und Adel, Rittern ohne Fehl und Tadel, bis hin zum Rittersmann, der gar nicht reiten kann. Sie wurden besungen als: „Ja so woarns die oidn Rittasleit.“

Ritter wurden verfilmt: Ivanhoe, der edle Ritter, oder König Artus und seine Schwafelrunde. Aber auch Prinz Eisenherz und seine Bande. Robin Hood war der Rächer der Entnervten und kämpfte gegen miese Raubritter, fiese Könige und intrigante Frauen.

Überall stehen Ritterburgen herum. Beispielsweise in Hörde, nahe am Aschensee, wo der Phoenix herauskommt, aber nicht in Arizona. Hier versteckten sich edle Recken im Pueblo. Ritterlich ist gar mancher galante Liebhaber.

Ausgrabungen durch mittelalterliche Archäologen förderten nun eine Rittergattung zutage, die bisher völlig unbekannt war:

Ritter ohne Mehl und Nadel

Die neuen Forschungsergebnisse werden in Obstkurve erstmals explosiv vorstellt. Wissenschaftler fanden in unteren Erdschichten den dokumentarischen Nachweis. Knochenfunde und die bisher verloren geglaubte Vita des Ritters Beinhart belegen: Ritter ohne Mehl und Nadel waren unterernährt und abgemagert. Erschreckend auch die Befunde zur Kleidung: Sie hatten nichts warmes anzuziehen und trugen nur ihre metallene Rüstung. Darunter war nichts als nackte Haut. Die Ursachen des Mangels sind erschütternd: Sie ernährten sich ausschließlich von Baumrinde und Bucheckern, weil sie kein Mehl zum Backen hatten. Weil ihnen das Nähzeug fehlte, konnten die Zofen keine Wollunterwäsche stricken. Ihre Lebensverhältnisse waren katastrophal. Sie hungerten immer und froren auch im Sommer. Verhütungsmittel waren unbekannt.

Wie die Vita Beinharts belegt, hatte die Gattung mit Gattinen ihren Stammsitz in der festen Burg Altona (Bild). Im Unterschied zu anderen Burgen, von denen heute allenfalls noch Ruinen Zeugnis ablegen, war die Burg immerhin solide gemauert. Sie befand sich in der Grafschaft Knochenmark. Bereits vor drei Wochen war von einer anderen Gruppe erforscht worden, dass sie Met tranken.

Mit Blick auf die Fußgängerzone: Die heilige Burg Altona in der Grafschaft Knochenmark.

Die fest Burg Altona in der Grafschaft Knochenmark.

Oben auf der Burg verfolgten sie ihre heilige Mission: die Suche nach dem eiligen Aal (Bild). Um ihn zu finden, schauten sie den ganzen Tag lang herab auf den grünen Fluss. Doch war ihnen der eilige Aal  trotz jahrhundertelanger Beobachtung immer entkommen. Die Wissenschaftler versuchen mit Hilfe der neuen Funde die Gründe für den Misserfolg der Ritter zu ergründen.

Hoch oben, von den Zinnen ihrer stolzen Burg Altona blicken die Ritter ohne Mehl und Nadel auf den goldenen Fluss und suchen den eiligen Aal.

Der goldene Fluss, wo sich der Sage zufolge der eilige Aal aufgehalten hat.

Heute haben sich die Bewohner Altonas endlich den modernen Erfordernissen angepasst. Um schneller zur hohen Burg hinauf und wieder hinab zum tiefliegenden Fluss zu kommen, wurde ein Erlebnisaufzug in den Burgberg gefräst. Edmund Stoiber hat den Bau durchgesetzt, nachdem er den Transrapid in München nicht verwirklichen konnte. Er hat das Projekt mit einer flammenden Rede gerechtfertigt: „Wenn Sie in der Fußgängerzone in Altona … mit zehn Minuten, ohne, dass Sie in der Burg noch ein Ticket kaufen müssen, dann starten Sie im Grunde genommen am Burgberg. An der Fußgängerzone von Altona starten Sie Ihren Aufstieg. Zehn Minuten. Schauen Sie sich mal die großen Berge an, wenn Sie in Neuschwanstein in Bayern oder sonst wo, meine sehr … äh, Versailles in Frankreich oder in … in … in Rom. Wenn Sie sich mal die Entfernungen anschauen, wenn Sie die Burg Hohenzollern sich ansehen, dann werden Sie feststellen, dass zehn Minuten Sie jederzeit locker in Baden-Würrtemberg brauchen, um ihr Burgtor zu finden. Wenn Sie vom Burgberg … vom … von der Fußgängerzone  starten – Sie steigen in die Fußgängerzone ein, Sie fahren mit dem Aufzug in zehn Minuten in die Burg in … an den Burghof von Graf Dietbert anstatt von 30 Minuten zu Fuß mit der S-Bahn.“

Traditionalisten verteidigen bis heute zäh den Fußweg. Aber der Aufzug hat etwas. Der Weg führt zunächst vorbei an den Erlebnistrollen – eine eigene Welt mit Rittern, Zwergen und Handwerkern, die sich trollen. Dort begegnet ihnen nicht nur Wieland, der Schmied, der seinen Hammer schwingt, sondern auch das Heilige Einrad und seinen Freunde vom Karren.

17 Monate lang haben fleißige Wichtel 7,2 Millionen Stücke Stein aus dem Berg gefräst. Sie wurden den Untertanen geschenkt. „Sie können sich damit Mauern bauen“, sagt Burggraf Dietbert von Knochenmark.


Zeitgeschichtlicher Hintergrund

Die Vita Beinharts des Großen: „Die Ritter ohne Mehl und Nadel sind direkte Abkömmlinge von König Artus und seiner Schwafelrunde, eines Zweigs der Angeln und Reusen. Neben dem Fischfang widmeten sie sich ihren Untertanen und raubten ihnen eiserne Jungfrauen. Dreisamkeit galt als Gebot. Wenn sie auf der Burg saßen, warteten sie notdürftig bekleidet und halbverhungert auf einsame, wehrlosende Reisende, die durchs tiefe Tal zogen.“ Das Ende der Geschichte ist nicht mehr überliefert.

 

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