Bahnhof hängt am seidenen Faden

Nordenham. (OKK) In der Reihe „Deutschlands schönste Bahnhöfe“ ist dieses Mal der Bahnhof der sagenumwobenen Küstenstadt Nordenham an der Reihe. Obstkurve hat ihn vor Ort gelupt.

Nordenham lädt zum Verweilen ein. Und der Bahnhof?

Nordenham ist heute eine der unterbewertesten Städte Europas. Dabei folgt es direkt auf West Ham, Faversham, Gillingham and Victoria. Im Mittelalter war Nordenham autonome friesische Landesgemeinde. Die „freien Friesen“ nannten den Ort damals „Rüst Ringen“. Sie gewannen den alles entscheidenden Ringkampf mit Rüstung gegen den Kaiser. Er hieß Franz Beckenbauer. Nordenham liegt westlich der Weser. Das Gebiet heißt auch „Wesermarsch“. Freie Friesen marschieren noch heute an der Weser entlang ohne zu versumpfen. Ostweserbewohner Bremens kamen und kommen da nicht mit. Viele von ihnen kamen im Moor um, als sie die freien Friesen verfolgen wollten.

Deshalb zogen 1395 die „Vitalienbrüder“ ein. Nordenham war für sie der ideale Stützpunkt. Hier konzipierten sie rentable Piraterie fürs Gemeinwohl. Gemeinsam mit friesischen Häuptlingen erleichterten sie viele Handelsschiffe entlang der Weser und Nordseeküste um ihre schwere Fracht. Sie waren echte Retter. So haben sie manches Schiff vor dem sicheren Untergang bewahrt.

Bremer holzen Wald ab

Jedoch waren die Bremer nicht ganz einverstanden. Sie marschierten in die Wesermarsch ein. Die Bremer hatten umliegende Wälder abgeholzt und in Sägewerken tausende von Schalplanken anfertigen lassen, damit sie über das Moor laufen konnten. Der friesisch-bremische Krieg entstand. Er zog sich über mehrere Jahre hin. Der Ausgang ist bis heute ungewiss. Aber es hatte Tote gegeben.

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts nutzten die Welfen das Machtvakuum. Der Pinkelprinz eroberte die Wesermarsch. Aber er fühlte sich nicht wohl. Mehrfach hatte er beim Pippi machen im Sumpf seine neuen Stiefel verloren. Die freien Friesen zettelten diverse Aufstände an. Pinkelprinz kam immer zu spät. Er verscherbelte die Wesermarsch nach Oldenburg.

Eigentlich ist Nordenham und umzu so schön wie auf diesem Bild zu sehen.

Die Oldenburger bauten zwar Deiche, aber es nützte nix. Die freien Friesen zettelten weiter andauernd Aufstände an. Auch die Oldenburger hatten ganz bald die Nase voll. 1667 verhökerten sie die Wesermarsch nach Dänemark. Die Dänen kümmerten sich überhaupt nicht um Nordenham und gaben es den Oldenburgern zurück. 1808 fielen die Holländer ein. Kurz danach die Franzosen. Die Friesen verjagten die Franzosen, doch dann kamen Russen. Sie hauten bald wieder ab, und so konnte Nordenham seine freundschaftlichen Beziehungen zu England aufnehmen. Sie gründeten die Keimzelle der EU.

Ursprünglich hieß Nordenham Nordenhamm. Den Engländern zuliebe strichen die Friesen das zweite M und schenkten es den Engländern. So entstand die Fanfreundschaft zwischen 1. FC Nordenham und West Ham United. 1891 bis 1897 hauten viele Europäer von hier ab in die USA. Zweimal die Woche schipperten Auswandererschiffe von Nordenham nach New York. Wie wir heute sehen hat es nicht viel geholfen. Erst die Auswanderung, heute der Brexit.

Von vorn sieht der Bahnhof Nordenham noch fast so aus wie ein Bahnhof.

Nordenham heute: Die Stadt hat den Platz am Bahnhof gestaltet, aufgewertet, schön gemacht. Direkt gegenüber vom Bahnhof liegt das Hotel Café Lohmann. Hier kann man gemütlich sitzen, lecker essen und übernachten. Mit Blick auf den neuen Bahnhofsvorplatz. Weltweig einmalig ist das hier aufgebaute Elefantenklo. Direkt dahinter gammelt das hysterische Bahnhofsgebäude vor sich hin, notdürftig von einem Brett mit Schrauben zusammengehalten. Man sieht fast sofort: Bahnhofbesucher brauchen viel Mut, wenn die das Bahnhofsumfeld betreten. Die Bruchbude steht kurz vor dem Zusammenbruch.

Erst der Blick hinter die Kulissen offenbart das ganze Drama.

 

Der Bahnhof Nordenham wird nur noch von diesem Brett zusammengehalten, das mit der Beleuchtung notdürftig verschraubt ist. Ähnliche Konstruktionen verwendet Siemens beim ICD.

Die Nordenhamer haben viel Mut. Sie sind geradezu unerschrocken, und das, obwohl die Küstenstadt der Ort in Deutschland ist, der vom Brexit am meisten betroffen ist. Kommt der Brexit müssen die Engländer das zweite M wieder zurückgeben. Ein Nordenhamer Sprecher sagt: „Wir wollen es nicht. Sie sollen es behalten.“  Insider vermuten, dass Birmingham zugreifen wird. Keith Miller: „Dann sind wir die erste englische Stadt mit Doppel-M“, glaubt er und plant eine Städtepartnerschaft mit Hamm.

Nordenham hat sie alle besiegt: Die Bremer, die Oldenburger, Welfen, Dänen, Franzosen, Russen und Preußen. Auch die Bahn wird nicht gewinnen: Obstkurve empfiehlt: Besuchen Sie Nordenham. Hier werden Sie freundlich begrüßt, herzlich aufgenommen und lecker bewirtet.

 

 

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